Alles Okay mit PD,
nach anderthalb Jahren denke ich ist es an der Zeit mal einen Rückblick zu wagen und auch andere daran teilhaben zu lassen, wie es sich als PD Patient lebt und was alles so möglich ist trotz der vorhandenen Einschränkungen.
Seit März 2008 bin ich PD-Patient, arbeite seit Juni 2008 wieder, zunächst halbtags, seit September wieder ganztags. Ich habe einen Bürojob, habe furchtbar nette Kollegen, die alle glauben auf mich aufpassen zu müssen, damit ich mich nicht übernehme. In einem Nebengebäude habe ich mein PD-Zimmer, da kann ich in Ruhe alles erledigen und nebenher noch Unmengen von Sudokus knacken. Mein Mann liefert und entsorgt das Zubehör, es ist also alles vom Feinsten.
Eine Peritonitis hatte ich noch nicht, aber schon mal heftiges Bauchkneifen, nachdem zwei Beuteleinläufe nicht ordnungsgemäß vorgewärmt waren.
Das Leben lief eigentlich wieder ganz normal ab, doch eine Sache fehlte noch. Bisher haben wir seit 1998 alle zwei Jahre unsere Kinder und Enkelkinder in Arizona besucht. 2008 haben wir uns das nicht getraut, aber für 2009 lief die Vorbereitung auf vollen Touren. Nachdem ich von der Dialysepraxis ein eindeutiges „Okay“ bekommen, buchte ich schon im August 2008 die Flüge. Es war mir auch möglich extra bequeme Sitze zu buchen, damit mein Bäuchi nicht über Gebühr gequetscht wird, doch eigentlich geht es um die Unterbringung der langen Beine.
Ende 2008 wurde dann schon mal die Materialbestellung aufgegeben und ich kann hier schon sagen, es hat alles tadellos geklappt. Mein Sohn hat Bescheid bekommen, eine Woche vor Anreise wurde die exakt bestellte Menge (Beutel + Verschlusskappen) angeliefert. Aus Deutschland habe ich eine Wärmeplatte mitbekommen (ausgeliehen). Die war an die amerikanischen Gegebenheiten angepasst und konnte auch während der Fahrt im Auto über den Zigarettenanzünder versorgt werden, mit Strom, nicht mit Cola.
Verbandsmaterial, Klammern und anderes Kleinmaterial habe ich selber mitgenommen, hatte dafür extra eine Tasche als Handgepäck dabei.
Wir sind von Tegel über New York nach Phoenix geflogen, erst zehn Stunden, dann nochmal fünf Stunden, zwischen durch drei Stunden Aufenthalt. Während dieser ganzen Zeit brauchte ich nicht einmal einen Beutelwechsel vornehmen, da ich vorher Extraneal „getankt“ habe. Damit sich die dialyserelevanten Werte nicht zu sehr erhöhen, habe ich drei Tage vor Abreise fünf Beutelwechsel gemacht und nach Ankunft in Scottsdale bei meinem Sohn auch wieder drei Tage lang fünf Wechsel. Sicher ist sicher und ich hatte keine Lust auf Schwester Nancy. Schwester Nancy wurde mir als PD-Schwester benannt, wenn ich doch unerwartet Probleme bekommen hätte. Von der Firma Baxter, die mir auch die Wärmeplatte bereitstellte, wurde ich drei Wochen vor Abreise über die Möglichkeit der Kontakte am Reisezielort informiert. Über Google-Earth haben wir sogar noch zu Hause das entsprechende Hospital gefunden, es lag nur einige Straßen vom Wohnort unseres Sohnes entfernt.
Als unsteter Geist und reiselustige Person wollten wir unsere Arizonaerkundungen weiter ausdehnen, viel kannten wir ja schon aus vorherigen Reisen. Diesmal haben wir uns einen großen Jeep gemietet, wo neben dem persönlichen Gepäck auch meine ganzen Kartons mit der Dialyselösung reinpassten. Die Ausflüge gingen diesmal nach San Diego, ins Death Valley und zur Freude unserer Tochter nach Las Vegas. Insgesamt sind wir fast viertausend Kilometer gefahren. Übernachtet haben wir meistens in sogenannten Lodges – preisgünstig und ausreichend vorhanden.
Mit den Beutelwechseln haben wir uns überhaupt keinen Stress gemacht, war die Zeit ran, dann ging es los. Waren wir gerade auf `nem Highway unterwegs haben wir uns eine hübsche Stelle gesucht, Autotür auf, ein Beutel raus nach unten, der rauf aufs Autodach und schon lief alles im wahrsten Sinne des Wortes. Die Waage wurde mittels Saugnapf an der Autoscheibe befestigt und dann hatte man eine halbe Stunde, um die verschiedensten Landschaften zu genießen. Und weiter ging die Reise. Sehr oft haben wir auch den Beutelwechsel außerhalb vom Auto gemacht, kein Platz konnte schön genug sein. Da kam es schon vor, dass der Beutel zwischen den Kakteen lag oder in flachen Wasser an einem traumhaften See. Wichtig war mir immer, Hände sauber und desinfiziert und fixes an- und abschließen. Wir haben alles fotografisch festgehalten und per E-Mail wurde mein Arzt über alles auf dem Laufenden gehalten. Er hat beim Betrachten der Bild wohl Gänsehaut bekommen, aber letztlich zählte der problemlose Verlauf.
Ein bisschen Huddeleien hatte ich mit meinem Blutdruck, das lag aber absolut an den dort herrschenden Temperaturen, 40 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit bei 2%, da muckt auch der schönste Blutdruck mal auf und sinkt in den (kühlen) Keller, viel Trinken war angesagt , aber bitte keine Cola.
Soviel zu Amerika. Inzwischen waren wir auch schon wieder Mal eine Woche auf einem Campingplatz in der Mecklenburger Seenplatte. Radfahren war da total gefragt, der Wechselbeutel war im Körbchen auf dem Gepäckträger untergebracht…..
Nun soll es im August nochmal für eine Woche in den Schwarzwald gehen, ich freue mich schon darauf und besonders und ganz bewusst freue ich mich darüber, dass ich das alles trotz Handicap so unbeschwert genießen kann.
Mein kleiner Bericht gilt allen HD-Patienten und sollte ihnen Mut machen, den Wechsel zur PD-Methode, die ein absolut gleichwertiges Dialyseverfahren ist, zu wagen. Sie gewinnen soviel an Lebensqualität zurück, auch wenn es nur für eine begrenzten Zeitraum ist, aber den sollte man genießen und sich und seiner Familie einfach gönnen.
Ein paar Bildchen sollen das geschriebene Wort optisch unterstreichen.
 Ihre Ingeborg Lamp
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