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Bluthochdruck und eine Nierenerkrankung hängen häufig zusammen Drucken

Prof. Dr. med. J. Plum
Prof. Dr. med. J. Plum, Kassel
Neue Verfahren gegen Bluthochdruck beim Kongress für Nephrologie in Göttingen

Von einer Volkskrankheit zu sprechen, ist durchaus berechtigt: Etwa 25 bis 30 der 82 Millionen Bundesbürger haben einen zu hohen Blutdruck mit Werten von über  140/90 mmHg.

 


Weil dies zunächst kaum Beschwerden auslöst, wendet sich nur etwa die Hälfte von ihnen an ihren Hausarzt. Nicht immer kann auf Anhieb die ideale Behandlungsform gefunden werden. Häufig wird eine Therapie aber auch von den Patienten nicht konsequent befolgt. So kommt es, dass bei lediglich einem Drittel aller Betroffenen der Blutdruck dauerhaft auf die empfohlenen Werte gesenkt wird.

Die meisten Menschen unterschätzen die langfristigen Folgen von Bluthochdruck. Außer zu Schädigungen der Blutgefäße, zu Herzinfarkt oder Schlaganfall kann Hypertonie zu einer Erkrankung der Nieren und sogar zum vollständigen Funktionsverlust der lebenswichtigen Organe führen. Weil umgekehrt auch eine Nierenerkrankung Bluthochdruck verursachen kann, arbeiten Mediziner und Wissenschaftler in den Gebieten Hypertonie und Nephrologie eng zusammen. Beim Kongress für Nephrologie in Göttingen diskutierten Ende September knapp 2000 Experten aus allen deutschsprachigen Ländern über neue Studien und Therapien. Diese ergänzen die bisherigen medikamentösen Behandlungen (s. Einzug) innovativ.

Gerade für Patienten, bei denen herkömmliche Medikamente nicht ansprechen, ist eine in zuerst in Australien und inzwischen auch in Deutschland bei einigen Patienten erfolgreich angewandte Therapie möglicherweise ein Hoffnungsschimmer. Hierbei werden diejenigen Nerven in der Niere „ausgeschaltet“, die über komplexe biochemische Vorgänge hohen Blutdruck verursachen. Diese Nerven befinden sich in der Bindegewebsschicht der Nierenarterien. Per Katheter und Hochfrequenzstrom werden sie verödet, wodurch ihre hochdruckstimulierende Wirkung „wegoperiert“ und der Bluthochdruck dauerhaft gesenkt werden kann. Der Wärmereiz schädigt dabei lediglich die Nerven, nicht die Gefäße. „Weltweit wurden bereits 100 Hochdruck-Patienten, die auf mindestens drei der herkömmlichen Medikamente nicht ansprachen, mit der renalen Denervierung in vielen Fällen erfolgreich behandelt“, sagte Tagungspräsident Professor Dr. Jörg Plum beim Kongress. Sie sei allerdings nicht für alle Patienten geeignet.

Ein weiteres neues Verfahren ist eine Art Impfung, die bereits in Studien in Europa und USA Erfolge zeigte. Ihr liegt die Tatsache zugrunde, dass mehrere Hormone und Enzyme für einen hohen Blutdruck zusammenwirken. Einer der körpereigenen Stoffe, die in dieser Kaskade von Prozessen eine wichtige Rolle für die Hypertonie spielen, ist das Hormon Angiotensin II. Bei dem neuen Verfahren wird dem Patienten ein „Abkömmling“ dieser Substanz oder des Rezeptors geimpft. Der Abkömmling ist dem Ursprungshormon ähnlich, aber so umgewandelt, dass das Immunsystem darauf reagieren kann. Das Immunsystem bildet daraufhin – über einige biochemische „Umwege“ – Antikörper gegen das körpereigene Angiotensin II oder seinen Rezeptor. Das Blutdruckhormon wird von den Antiköpern teilweise neutralisiert, sodass der Blutdruck sinkt. Die Impfung verliert allerdings nach einigen Wochen ihre Wirkung und muss aufgefrischt werden. „Nach einem möglichst wirksamen und sicheren Impfstoff wird zur Zeit noch geforscht“, schilderte Plum den Stand der Wissenschaft.

Das Wirkprinzip einiger Medikamente gegen Bluthochdruck, der im Zusammenhang mit der Nierenfunktion steht.

Die Prozess-Kaskade des RAAS
(= Renin-Angiotensin-Aldosteron-System)

Die Niere setzt das Hormon Renin frei, das von Angiotensensinogen das Angiotensin I abspaltet.
Durch das Enzym ACE wird dieses in Angiotensin II umgewandelt. Letzteres bewirkt, dass sich die Gefäße verengen, wodurch sich der Blutdruck erhöht.
Angiotensin II drosselt überdies die Produktion von Urin über zwei unterschiedliche Wege: das von den Nebennieren freigesetzte Hormon Aldosteron und das über die Hypophyse freigesetzte Hormon ADH – beides mit dem Ergebnis eines steigenden Blutdrucks

Wann und wie verschiedene Medikamentengruppen in der RAAS-Prozess-Kaskade gegen Bluthochdruck wirken
Moderne Direkte Renin-Blocker hemmen bereits ganz am Anfang der RAAS-Kaskade die Produktion von Renin.
ACE-Hemmer, die bereits seit vielen Jahren auf dem Markt sind, stoppen die Freisetzung des Enzyms ACE und unterbinden die Umwandlung von Angiotensin I in Angiontensin II. Auch die Angiotensin-Rezeptor-Blocker, stoppen die Umwandlung von Angiotensin I in Angiotensin II, aber zu einem späteren Punkt des Prozesses.
Diuretika bewirken über eine vermehrte Flüssigkeitsausscheidung in der Niere eine Volumenverminderung im Gefäßsystem und infolgedessen ein Absinken des Blutdrucks.



Was führt zu Bluthochdruck und was hilft dagegen?

Lediglich bei 10 Prozent aller von Bluthochdruck Betroffenen kann eine bestimmte Ursache gefunden werden: z.B. eine Überfunktion der Schilddrüse oder eine Verengung der Nierengefäße. In diesen Fällen kann der Hypertonus prinzipiell  „geheilt“ werden. Bei den verbleibenden 90 Prozent spielen meist mehrere Faktoren als Ursache eine Rolle: Veranlagung oder eine Genmutation, Zivilisationskrankheiten wie Bewegungsmangel, besonders salz- oder fettreiche Ernährung, Stress, Nikotin, Übergewicht oder Diabetes. Auch eine chronische Nierenerkrankung kann Bluthochdruck auslösen, umgekehrt Bluthochdruck zu einer Schädigung der Nieren führen. Der überwiegende Teil aller Nierenkranken hat bereits einen Bluthochdruck, der auf Gewebeschädigungen zurückzuführen ist. Nahezu jeder zweite Todesfall steht heute in einem mehr oder weniger engen Zusammenhang mit Bluthochdruck.
Wer die Auslöser von Bluthochdruck vermeidet, indem er sich regelmäßig bewegt, vernünftig ernährt und nicht raucht, beugt einer Bluthochdruckerkrankung vor bzw. kann die Blutdruckwerte auch positiv beeinflussen.

Ist der Bluthochdruck bei ansonsten gesunden Menschen ständig über 140/90 oder über 130/80 mmHg in Kombination mit anderen Risikofaktoren (z.B. Herz- oder Nierenschädigungen, Diabetes etc.), dann sollte der Hausarzt zu Rate gezogen werden. Der kann mit einem einfachen Test feststellen, ob im Urin des Patienten bereits Eiweiß nachweisbar ist, und den Patienten im Falle dieses eindeutigen Hinweises auf eine Nierenfunktionsstörung direkt an den Facharzt überweisen. Der Nephrologe ist nicht nur der Spezialist für Nieren-, sondern auch für Bluthochdruckerkrankungen und kann deren Wechselwirkung erkennen und behandeln.

 
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